Stress als ganzheitliche Reaktion

Um Stress zu verstehen, lassen Sie vor Ihrem geistigen Auge unsere Vor-, Vor-, Vorfahren auftauchen. Sie streifen gerade in kleinen Horden durch die Savanne. Wie andere Tiere auch, leben sie in einer Umgebung, in der sie sich ihre Nahrung unter Einsatz von Körperkraft, Schnelligkeit und Geschicklichkeit besorgen müssen. Kein Supermarkt weit und breit.

Es gibt viele unmittelbare Gefahren, die sie bewältigen müssen, auch hier sind sie auf ihren Körper angewiesen. Immer wieder kommen diese Menschen in die Situation, dass sie schnell reagieren müssen - meist mit Hilfe ihres Körpers, ihrer Schnelligkeit, sonst kostet das ihr Leben. Auf mögliche Gefahren muss deshalb nach dem Motto "kämpfe oder flüchte" rasch reagiert und dies mit unmittelbar einsetzender körperlicher Bewegung umgesetzt werden.

Führt man sich diese Situation vor Augen, ist es einleuchtend, dass über die Jahrtausende die überlebt haben, die ein hoch effizientes, automatisiertes inneres Alarmsystem entwickelt haben, das den Körper blitzschnell in Aktion kommen lässt und ihm die Energie zur Verfügung stellt, die er für die Hochleistung seiner Muskulatur benötigt.

In der Evolution haben sich viele automatisierten Abläufe für existenziell wichtige Standardsituationen entwickelt und durchgesetzt: Innere Abläufe unseres hormonellen, neuronalen, immunologischen Systems sind eng mit automatisierten Verhaltensabläufen verbunden.

Stess können Sie sich jetzt vorstellen als die automatisierte Reaktion auf eine Herausforderung. Sie werden gleich sehen, wie genial sich das im Verlauf der Evolution ausbilden konnte. Der Haken daran ist allerdings: unser Körper reagiert heute mit den gleichen biologischen Mustern, mit denen unsere Vorfahren reagiert haben. Nur bewältigen wir unsere Herausforderungen nicht mehr mit körperlicher Bewegung.

Das heißt, dass in jeder Situation von Herausforderung der ganze innere Prozess in Gang gesetzt wird, der Sie befähigt, blitzschnell und auch ausdauernde körperliche Bewegungen auszuführen. Nur: Sie bewegen sich nicht zur Bewältigung der Herausforderung, sondern Sie sitzen, stundenlang: in Konferenzräume, Krisensitzungen, bei Telefonaten und der Internet-Recherche.

Und auch dann laufen Sie nicht etwa 2 Stunden durch die Savanne, sondern fahren im Fahrstuhl in die Tiefgarage, wo Ihr Auto möglichst dicht am Eingang steht. Damit fahren Sie dann bis nach Hause in den Carpot, der Sie nur 10 Schritte von Ihren Lieben trennt. Ihr Körper war aber auf Höchstleistung getrimmt. Diese andauernde Frustration ist gefährlich, weil die Energien ins Leere laufen und zu Folgeschäden führen können.

Es ist so, als ob Sie Ihr Auto mit kraftvoll angezogenen Handbremsen und Vollgas fahren würden. Sie verstehen nun, warum Bewegungsmangel heute als ein wesentlicher Faktor bei der Entstehung vieler Krankheiten angesehen wird.

Die Reaktion auf Herausforderungen : Stress

Körper, Geist und Seele haben die Tendenz, sich in einen Gleichgewichtszustand einzupendeln. Dieser Zustand wird jedoch kaum erreicht, da immer wieder Störungen von außen bewältigt werden müssen: von Temperaturschwankungen über rote Verkehrsampeln bis zu dem Geschrei der Kinder. In Situationen von starken Herausforderungen, von brüllenden Chefs über eingebrochene Börsenzahlen bis zur alles entscheidenden Matheklausur, stellt sich der Organismus auf die Bewältigung der Herausforderung ein. Er befindet sich im Stress, in einem mit jeder Faser auf die Bewältigung ausgerichteten Zustand. Das ist zunächst weder gut noch schlecht.

Über das, was dabei geschieht, sollten Sie einen kleinen Ausschnitt kennen - es könnte Ihr Verhalten beeinflussen -

Ganz vereinfacht dargestellt: Gesteuert wird die Stressreaktion durch das vegetative Nervensystem mit dem Stresshormon Adrenalin. Darüber werden die unbewussten Körperfunktionen reguliert wie Puls, Blutdruck, Atmung, Verdauung etc. Eine wichtige Rolle spielen hier auch die Hirnanhangdrüse und das Stresshormon Cortisol, über das der Stoffwechsel so umgesteuert wird, dass blitzschnell Energie zur Verfügung steht. Über diese Regulation kommt es bei Stress zu vielen verschiedenen Reaktionen und folgenden konkreten Besonderheiten.

Sie stellen sich dazu am besten wieder den Menschen in der Horde in der Savanne vor, weil die automatisierte Stressreaktion darauf zugeschnitten ist. Für die Bewältigung der Herausforderung werden alle Systeme hochgeladen, die unmittelbar benötigt werden.

- Ihre Wachheit und Aufmerksamkeit wird erhöht: die Erhöhung von Wachheit und Aufmerksamkeit wird im Alltag als angenehm und stimulierend erlebt.

- Puls, Blutdruck und Atmung werden erhöht: das ist leicht nachvollziehbar, da auf diesem Weg die Versorgung des Körpers in Höchstleistung gewährleistet werden muss.

- die Anspannung der Muskulatur wird erhöht: die Muskulatur wird in Bereitschaft gebracht, den Körper hervorschnellen zu lassen, ihn kampf-oder fluchtbereit zu machen. Es werden gleichzeitig die Strecker und Beuger angespannt und dadurch werden die Gelenke aufeinander gepresst. Die Folge können Gelenkbeschwerden (Hüfte, Knie, Schulter) sein. Da die Spannung auch die Rückenmuskulatur betrifft, werden die Rückenwirbel und insbesondere die dazwischen liegenden Bandscheiben belastet mit den entsprechenden (Schmerz-) Symptomen. Die angespannten Schulter-, Hals- und Kopfmuskeln können sich in zahlreichen Schmerzsymptomen äußern. (z.B.Spannungskopfschmerz)

- der Energie liefernde Stoffwechsel wird hochgefahren: es kommt zu Nachschubproblemen z.B. bei den leicht verfügbaren Kohlehydraten. Das löst Hunger (nach Süßem) aus.

- die Blutzähigkeit wird erhöht: bei andauernd sitzenden Menschen, die Ihre Extremitäten, insbesondere die Beine, auch noch verklemmt halten, verstärkt sich die Gefahr der Bildung von Gerinnungsklümpchen in der Blutbahn (Thrombose)

- die unspezifische Immunreaktion wird erhöht: Allerdings bricht das Immunsystem dann bei leichtem Nachlassen des Stress zusammen und Sie nehmen sich Ihre Erkältung dann am Wochenende oder zu Beginn des Urlaubs. Und es scheint nach Zeiten von Dauerstress einen Erschöpfungseffekt des Immunsystems zu geben. Das ist heikel, weil dieses Immunsystem nicht nur für Ihre Infektabwehr zuständig ist, sondern auch entartete Zellen vernichtet, die sich zu Krebszellen entwickeln könnten.

Und für die Bewältigung der Herausforderung werden gleichzeitig alle Systeme heruntergefahren, die nicht unmittelbar benötigt werden.

- die Regulation der Nahrungsaufnahme und die Verdauung werden heruntergefahren: In Flucht- und Kampfsituationen hätte das unsere Vorfahren doch sehr behindert, auch wenn sie natürlich auch auf einen Ausgleich leicht verbrennbarer Energie bei längeren körperlichen Höchstleistungen angewiesen waren.

- der Fortpflanzungstrieb wird reduziert: Unser Vorfahre sollte sich nicht durch Verführungskünste des Gegners ablenken lassen.

- das spezifische Immunsystem wird reduziert: dieses Immunsystem reagiert ausschließlich auf spezielle Keime, gegen die unser Körper durch die einmalige Auseinandersetzung immun geworden ist. (Kinderkrankheiten)

- die Wahrnehmung von Schmerzempfindungen wird reduziert: Die Warnsignale des Körpers werden oft nicht gesehen; auch deutliche Krankheitszeichen, wie z.B. drohender Herzinfarkt entgegen der Aufmerksamkeit.

Das Wissen um diese Veränderungen unter Stressbedingungen ist notwendig, damit Sie die für Sie passenden Konsequenzen daraus ziehen können. Von zentraler Bedeutung ist, dass die Mischung der als angenehm erlebten Wachheit und Aufmerksamkeit mit der Reduktion der Wahrnehmung von körperlich-seelischen Missempfindungen zu dramatischen Fehleinschätzungen der gesundheitlichen Risiken unter Stressbedingungen führt.


  Praxis für Psychologische
Beratung & Gesundheitscoaching

Michaela Peters

Guaitastraße 20
D-52064 Aachen

Telefon +49 (0) 241 - 9 43 19 90

Email kontakt(at)psychologischeberatung-aachen.com

Termine nach Vereinbarung


Psychologische Beratung in Aachen und den Kreisen Düren, Heinsberg, Köln, Bonn, Düsseldorf.

psychologischeberatung-aachen.com is powered by LifeBox24.com
Zurück